BAUHERRSCHAFT: PRIVAT | GRÖSSE: 2’500 m² | FOTOGRAFIEN: STEPHANIE WÜRSCH
Liebistorf – Familiengarten unter der 120-jährigen Kastanie
Rund um eine 120-jährige Kastanie wächst im Kanton Freiburg ein Garten aus vier Räumen. Glashaus, Senkgarten, Pool und Waldgarten finden über ein Gerüst einheimischer Gehölze zusammen. Darin entfaltet sich die Bepflanzung frei und naturnah.
Aufgabe
Seit vielen Jahren wächst dieser Garten im Kanton Freiburg, zuletzt 2024 weiterentwickelt. Am Hauseingang steht eine 120-jährige Kastanie, gepflanzt nach altem Brauch zum Bauernhaus. Sie macht den Ort erkennbar, lange bevor der Garten selbst sichtbar wird. Die Aufgabe: das gewachsene System um sie herum bewahren und weiterentwickeln, ohne seinen Charakter zu verändern.
Herausforderung
Vier unterschiedliche Gartenräume, ein produktives Glashaus, ein introvertierter Senkgarten, ein reduzierter Poolbereich, ein schattiger Waldgarten, sollten zu einem grossen Ganzen finden. Die Lösung lag nicht im Plan, sondern im Gerüst: einheimische, standortgerechte Gehölze, die Halt geben, während sich die Bepflanzung darin frei und naturnah entfalten darf.
Ergebnis
Im Glashaus liegt der Ursprung: Buchsbaum-Stecklinge aus dem Schlossgarten Rapperswil, über Jahrzehnte zu charaktervollem Topiary gewachsen. Der Senkgarten ist ein Hortus Conclusus im eigentlichen Sinn, umgeben von Heckenkörpern, kaum einsehbar und getragen von einer trockenheitstoleranten, naturnahen Pflanzung. Der Poolbereich folgt einer klaren, geometrischen Ordnung. Reduziert und beschattet von Sternmagnolien. Im vordersten Bereich liegen zwei über 50-jährige Föhren, eine Hommage an den umliegenden Wald, in dem die Föhre eine der prägenden Baumarten ist. In ihrem Schatten entfaltet sich ein Spiel aus Blatttexturen und Grüntönen: Hostas, Farne, Gräser und eine grosse Mahonie. Die Kastanie steht seit über 120 Jahren am gleichen Ort, die beiden Föhren seit über 50. Beide bilden, zusammen mit den übrigen einheimischen Gehölzen, das Gerüst, das den Garten über alle Jahreszeiten trägt.
Stimme zum Projekt
«Einer Pflanze beim Erwachsenwerden zuzusehen, vom Steckling zur Skulptur, ist eine Form von Bindung. Es ist ein Geduldsspiel des Begleitens und des Vertrauens in Wachstum und Wandel. Ein Garten lässt sich nicht erzwingen, er will gelesen, gesetzt und dann in Ruhe gelassen werden. Das Beständige gibt ihm Halt, das Lebendige darf sich verändern. So wird ein Garten nicht besser, weil er fertig ist, sondern weil er reift, Jahr um Jahr, oft über Generationen.»
Daniel Auderset
Weitere Projekte
Entdecken Sie bereits realisierte Projekte von Daniel Auderset – von Vorgärten bis zum weitläufigen Anwesen. Jeder Garten entsteht neu aus einem Ort und für die Menschen, die in ihm leben.


















