Gärten für das Schweizer Klima: mit Trockenheit, Hitze und Höhenlage planen

Gärten für das Schweizer Klima: mit Trockenheit, Hitze und Höhenlage planen

Ein Garten, der vor fünfzehn Jahren richtig geplant war, ist es heute nicht mehr automatisch. Das Klima in der Schweiz hat sich verschoben, und zwar messbar. Wer heute pflanzt, plant für Bedingungen, die es so früher nicht gab.

Was sich verändert hat

Die Schweiz hat sich seit Messbeginn gut doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt. Gegenüber der vorindustriellen Zeit liegt die Durchschnittstemperatur heute rund 2,9 Grad höher, global sind es etwa 1,3 Grad. Das ist keine Prognose, sondern gemessen.

Für den Garten zählt vor allem, wie sich das im Sommer auswirkt. Die Sommer werden heisser, es gibt mehr heisse Tage und mehr Nächte, in denen es kaum abkühlt, und die Böden trocknen in der warmen Jahreszeit stärker aus. Die Sommertrockenheit hat über die letzten Jahrzehnte zugenommen. Gleichzeitig fällt Niederschlag häufiger als heftiger Starkregen, der rasch abfliesst, statt langsam in den Boden zu sickern. Für Pflanzen ist das die ungünstige Kombination: mehr Hitze, längere Trockenphasen, und wenn es regnet, dann oft zu viel auf einmal. Auf der anderen Seite dauert die Vegetationsperiode im Flachland heute mehrere Wochen länger als noch in den 1960er Jahren, was die Ansprüche an die Pflege eher erhöht als senkt.

Was das für die Bepflanzung heisst

Die naheliegende Antwort wäre, einfach mehr zu wässern. Das ist teuer, in trockenen Sommern teils eingeschränkt, und es kuriert nur das Symptom. Der bessere Weg führt über die Auswahl.

Trockenheitstolerante Pflanzen kommen mit weniger Wasser aus, weil sie dafür gebaut sind: tiefe Wurzeln, kleine oder behaarte Blätter, ein sparsamer Wasserhaushalt. Dazu gehören zum Beispiel Lavendel, Perowskie, Katzenminze, Schafgarbe, Steppensalbei oder Fetthenne, dazu viele Ziergräser. Solche Pflanzungen wirken nicht karg, im Gegenteil. Sie haben eine eigene, lockere Ästhetik und blühen oft über lange Zeiträume.

Der Boden entscheidet mit

Ebenso wichtig wie die Pflanze ist der Boden. Ein Boden, der Wasser gut aufnimmt und speichert, überbrückt Trockenphasen besser. Eine Mulchschicht bremst die Verdunstung und hält die Feuchtigkeit unten, wo die Wurzeln sie brauchen. Diese unsichtbare Schicht unter der Bepflanzung entscheidet oft mehr über das Gedeihen als die Pflanzenauswahl selbst.

Auch das Wasser selbst lässt sich klüger führen. Wenn Starkregen ohnehin häufiger wird, ist es sinnvoll, ihn nicht einfach in die Kanalisation zu schicken, sondern im Garten zu halten: über Flächen, die versickern statt zu versiegeln, über Mulden, die Wasser zurückhalten, notfalls über eine Zisterne, die für die Trockenphasen speichert. So wird derselbe Regen, der als Problem gilt, zur Reserve.

Ein weiterer Hebel ist der Schatten. Ein gut gesetzter Baum senkt an einem Hitzetag die Temperatur unter seiner Krone spürbar und schützt die Pflanzen darunter vor der stärksten Sonne. Schatten ist damit mehr als Komfort für den Menschen, er wirkt als Werkzeug gegen die Hitze im Garten selbst. Wo eine Krone Schatten wirft, verdunstet weniger Wasser aus dem Boden, und die Pflanzen darunter überstehen eine Hitzewelle deutlich besser.

Die Höhenlage ist ein eigenes Kapitel

In meinen Kerngebieten, dem Wallis und den Bergregionen der Westschweiz, kommt eine zweite Dimension dazu: die Höhe. Ein Garten in Saas-Fee oder in Crans-Montana folgt anderen Regeln als einer im Mittelland.

Mit der Höhe verkürzt sich die Vegetationsperiode, die Zeit also, in der Pflanzen überhaupt wachsen. Spätfröste im Frühjahr und früher Frost im Herbst grenzen das Fenster zusätzlich ein. Der Winter bringt Schneelast, die Äste bricht, und im Frühjahr eine starke Sonne, die immergrüne Pflanzen austrocknen kann, solange der Boden noch gefroren ist. Was in der Höhe zählt, ist deshalb nicht Trockenheitstoleranz allein, sondern vor allem Winterhärte und die Fähigkeit, mit kurzen Sommern und langen Wintern zurechtzukommen.

Eine Pflanze, die im Berner Seeland zuverlässig gedeiht, kann auf 1500 Metern im ersten harten Winter eingehen. Deshalb lässt sich eine Pflanzliste nicht einfach von einem Ort auf den anderen übertragen.

Der Rasen auf dem Prüfstand

Ein Punkt verdient eigene Aufmerksamkeit, weil er so verbreitet ist: der Rasen. Ein grosser, sattgrüner Rasen ist im heutigen Sommer einer der durstigsten Teile des Gartens. Er will regelmässig gewässert werden, sonst wird er braun, und genau dieses Wasser ist in trockenen Sommern knapp oder eingeschränkt.

Das heisst nicht, dass Rasen verschwinden muss. Aber es lohnt sich zu fragen, wie viel davon wirklich gebraucht wird. Eine kleinere, bewusst gesetzte Rasenfläche zum Spielen und Liegen, ergänzt durch trockenheitsverträgliche Pflanzungen oder eine Blumenwiese, kommt mit weniger Wasser aus, macht weniger Arbeit und bietet zugleich mehr für Insekten. Der Garten verliert dabei nichts, er gewinnt an Charakter.

Der richtige Zeitpunkt

Auch der Moment der Pflanzung entscheidet mit. Wer im Herbst pflanzt, gibt den Wurzeln Zeit, sich über den Winter zu etablieren, bevor die erste Sommerhitze kommt. Eine im Frühjahr oder gar im Hochsommer gesetzte Pflanze steht dagegen sofort unter Stress und braucht im ersten Jahr viel Wasser, um überhaupt anzuwachsen. Ein gut geplanter Garten denkt deshalb nicht nur an das Was, sondern auch an das Wann.

Wenn gewässert wird, dann richtig

Ganz ohne Wasser kommt kaum ein Garten aus, gerade in den ersten Jahren nach der Pflanzung. Entscheidend ist das Wie. Wer selten, dafür durchdringend wässert, zieht die Wurzeln in die Tiefe, wo der Boden länger feucht bleibt. Wer täglich ein bisschen sprengt, hält die Wurzeln oben und macht die Pflanzen erst recht von der nächsten Gabe abhängig.

Am wirksamsten ist Wasser, das gezielt an die Wurzel gelangt, etwa über einen Tropfschlauch, und das früh am Morgen ausgebracht wird, bevor die Hitze es verdunsten lässt. So wird aus knappem Wasser der grösste Nutzen gezogen, statt die Hälfte an die Luft zu verlieren.

Die eigentliche Konsequenz

Aus alldem folgt weniger ein Katalog richtiger Pflanzen als eine Haltung: den Standort lesen, bevor man pflanzt. Wie viel Sonne, welcher Boden, welche Höhe, welche Wasserverhältnisse, wie viel Wind. Erst aus diesen Bedingungen ergibt sich, was am jeweiligen Ort dauerhaft funktioniert.

Das veränderte Klima macht diese Sorgfalt wichtiger, nicht weniger wichtig. Ein Garten, der zum Standort passt, braucht weniger Wasser, weniger Pflege und weniger Nachbesserung. Er ist damit widerstandsfähiger und über die Jahre zugleich günstiger. Gegen das Klima anzupflanzen ist teuer. Mit ihm zu planen zahlt sich aus.